Salat und Gemüse aus dem plantCube: Smart Gardening | Unser Land | BR Fernsehen

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Sind das die Felder von morgen? Riesige Hallen, wie hier in den USA, in denen Pflanzen
unter Kunstlicht heranwachsen? Der Vorteil sog. Vertical Farms: Sie kommen ohne Pflanzenschutzmittel
aus, der Wasserverbrauch ist minimal und die Lebensmittel werden dort
produziert, wo sie benötigt werden: In Städten, nah beim Kunden. Einer dieser Visionäre
ist der Münchner Maximilian Lössl. 2015 hatten wir ihn
schon einmal besucht. Im Keller seines Elternhauses experimentierte er damals gemeinsam
mit seinem Freund Philipp Wagner an ersten Salatpflanzen: Ohne Erde
und mit künstlichem LED-Licht. Ihr damaliges Ziel: eine eigene
Vertical Farm zu betreiben. Ob das in China oder in Deutschland
ist, das ist mir relativ egal. Hauptsache, sie wird gebaut. Um mehr Bewusstsein
in der Menschheit für diese Technologie zu schaffen. Und diese Technologie
dann auf der Welt zu verbreiten und allen Menschen
Zugang dazu zu geben. Über diesen Plan
können sie heute schmunzeln. Aber der Gedanke
ließ sie nicht mehr los. Sie konzentrierten sich
auf ein kleineres Format: Den “plantCube”, einen
Mini-Gewächsschrank für zu Hause. Wir fanden die Nische der Haushalte, die Technologie
direkt zu den Kunden, zu den Endkonsumenten zu bringen,
am attraktivsten. Man schafft den meisten Mehrwert,
wenn man super frische, geschmacksintensive,
gesunde Sachen anbieten kann und den Kunden die volle Transparenz
bietet, wo es herkommt. 2017 holte das Start-up “Agrilution” neue finanzkräftige Investoren
ins Boot. Wie den Leuchtmittel-Hersteller Osram
und Tengelmann Ventures. In den vergangenen 12 Monaten wuchs das Unternehmen
von 8 auf 24 Mitarbeiter. Noch im vergangenen Jahr wurden die ersten Kleinserien
gebaut und getestet. Nun arbeiten Software-Entwickler, Elektrotechniker
und Pflanzenwissenschaftler unter Hochdruck daran, den plantCube
auf den Markt zu bringen. Was aber steckt
hinter diesem Pflanzschrank? Der plantCube
ähnelt einem Kühlschrank mit herausziehbaren Fächern. Auf zwei Ebenen ist Platz
für je vier Saatmatten, auf denen Kräuter,
Gemüse und Salate wachsen. Eine App zeigt Temperatur
und Luftfeuchtigkeit an und wann es Zeit für die Ernte ist. All das ist Ergebnis eines
aufwendigen Programmier-Vorgangs. Nicht nur Temperatur und Klima sind
exakt auf die Pflanzen abgestimmt. Auch die Zusammensetzung des Lichts, seine Intensität
und die Beleuchtungsdauer spielen für das Wachstum
eine entscheidende Rolle. Das ist unser Kern-Know-how, das wir uns
die letzten Jahre erarbeitet haben, dass wir die ganze Datenanalyse
der Pflanzen in unsere Software-Datenbanken
abgelegt haben, damit es für den Kunden zu Hause
supereinfach zu bedienen ist. Man muss nicht wissen,
wie man Pflanzen anbaut, braucht keinen grünen Daumen. Man legt nur eine Matte ein, das Gerät erkennt,
was das für eine Pflanze ist und stellt die bewässerungs-,
klimatischen und Licht-Bedingungen auf die jeweilige Pflanze ein. Nicht jede Pflanze eignet sich dafür. Derzeit sind es rund 20 Baby-Salate, wie der aus Japan
stammende rote Mizuna, aber auch Kräuter
und sog. Microgreens. Wenige Tage alte Keimlinge,
etwa von Karotten oder Radieschen, die schon intensiv
nach der späteren Pflanze schmecken. Ständig werden neue Pflanzen auf
ihre Eignung für den Cube getestet. Wie lang sind die Keimzeiten? Wie hoch der Nährstoffgehalt? Im Labor werden wichtige Parameter wie der Anteil bestimmter sekundärer
Pflanzenstoffe genau analysiert und teilweise sogar verändert. Da sieht man, wie viele
gesunde Stoffe in der Pflanze sind. Diese könnte man mit einem gewissen
Licht-Input von uns optimieren: Man kann
die Nährstoff-Konzentration erhöhen. Und das wirklich nur durch die
Umgebungsfaktoren, durch das Licht, ohne an den Genen oder dem Saatgut
was zu verändern. Doch das Schrauben an Nährwerten
hat Grenzen. Denn es verändert auch
den gewohnten Geschmack der Pflanze. Das Saatgut kauft Agrilution bei Herstellern
in Deutschland und Großbritannien und arbeitet es in biologisch
abbaubare Matten ein. Wie ist strengstes Firmengeheimnis. Damit die Pflanzen nicht schon
unterwegs anfangen zu sprießen, werden sie luftdicht eingeschweißt. Ortswechsel. Der Rucola ist auf jeden Fall ready. – Der hier, Rucola? Mmh. Seit drei Wochen steht der plantCube auch in der Wohnung von Maximilian
Lössl und seiner Freundin Greta. Bevor die Auslieferungsphase beginnt,
testen sie selbst. Die erste Ernte steht an. Die sind super schnell gewachsen. Man hat tatsächlich
gleich schon am 2., 3. Tag die kleinen Pflänzchen gesehen. Und dann von Tag zu Tag
ein Fortschritt. Es macht Spaß zuzuschauen, weil man von Tag zu Tag
den Unterschied gesehen hat. Die Pflanzen sind sogar
noch schneller gewachsen, als die App vorhergesagt hat. Nur das Basilikum schwächelt. Das Basilikum braucht noch. Wahrscheinlich eine Woche,
ich kann mal in der App schauen. Ja, Basilikum braucht noch 10 Tage. Ist es so, wie du es dir
vorgestellt oder erträumt hast? Ja, es ist einfach cool,
das nach 4 Jahren wirklich zu Hause stehen zu haben,
nicht nur im Büro, im Labor. Es ist ein supercooles Erlebnis,
die erste Ernte zu Hause. Der plantCube
soll knapp 2979 Euro kosten und ist damit
ein kostspieliges Lifestyle-Produkt. Mit der ursprünglichen Idee
von Vertical Farming, einmal Milliarden von Menschen
ernähren zu können, hat das nicht mehr viel zu tun. Im ganzen Vertical Farming
heutzutage geht’s auch nicht drum, das Welthungerproblem zu lösen. Es geht nicht darum,
was uns satt macht, sondern: Was macht uns gesund? Was hält uns gesund? In Berlin expandiert gerade
ein anderes Start-up: Infarm. Es betreibt sogar
in Kreuzberg ein Restaurant, bei dem die Produkte
aus dem Indoor Urban Farming direkt auf dem Teller landen. Letztes Jahr hat das Unternehmen
für die Geschäftsidee den Gastro-Gründerpreis gewonnen
und will nun europaweit durchstarten. Auch Maximilian Lössl
will die Menschen von der Idee des intelligenten
Gemüseanbaus überzeugen. Kochrezepte mit Pflanzen aus dem Cube
sollen die App ergänzen und auch User in den sozialen Netzwerken auf den
Gewächsschrank aufmerksam machen. Die Mitarbeiter von Agrilution kennen
es schon gar nicht mehr anders. In der Firma wird dreimal
in der Woche selbst gekocht, natürlich mit Grünzeug
aus dem plantCube. Food is ready! Es ist viel passiert
in den vergangenen drei Jahren, doch die ganz große Zeit für das
junge Unternehmen beginnt genau jetzt.

14 thoughts on “Salat und Gemüse aus dem plantCube: Smart Gardening | Unser Land | BR Fernsehen

  1. Das Ding ist ja ganz lässig, aber ich werde niemanden mehr ernst nehmen, der 3000€ für so nen Schrank anstatt ein paar Euro für Blumentöpfe ausgibt. Wie viele Jahre man wohl mit 3000€ täglich Biosalat kaufen könnte?

  2. Hahaha ich kann Nichtmehr…😂😂😂

    Tausende an Euros für so nen umgebauten Kühlschrank ausgeben der mehr Strom frisst als sonst was und sich niemals amortisieren wird.

    Warum das Gemüse denn draußen im Garten anbauen wo es durch Sonne und Wasser ganz natürlich wächst wenn man das auch in der Wohnung machen kann und dabei noch Unmengen an Atom- und Kohlestrom verbraucht… aber gut. Vielleicht hab ich da nen riesen Denkfehler😂

  3. Tja und wieder ne gute Idee der kapitalistischen Verwertungskette zum Opfer gefallen. Wie dumm, das die Menscheit es nicht im Ansatz lernt das Richtige zu machen oder zumindest die Eier hat, sich ihre Freiheit wieder zu erarbeiten. 2000 Euro für nen Kühlschrank mit ventilator und ein paar PflanzenLED's die ich im verkauf bei IKEA für 35 Euro bekomme. Etwas übers Ziehl hienaus finde ich. Und das mit den Gewägsmatten ist doch echt nur Abzocke.

  4. Verstehe ich auch nicht so ganz..bei mir wachsen die "Microgreens" mit Sonnenlicht und Wasser normal auf der Fenster Bank in Anzuchtschalen für 1,90 das Stück. Der Einsatz ist so gering, das man sich auch mit wenig Geld Super Ernähren kann. Aber man kann wohl mit allem Geld machen, wenn es immer Abnehmer gibt die nicht richtig Informiert sind. XD

  5. Für den Normalverbraucher noch viel zu teuer. Blumentöpfe und -kästen, sowie Pflanzschalen mit herkömmlicher Pflanzerde, von Frühjahr bis Herbst auf dem Balkon, oder im Winter auf der Fensterbank oder Pflanzenvitrine unter Zusatzbeleuchtung, tun es auch. Mit Salat und Salatrauke hat das bei mir schon funktioniert.

  6. So ein scheiß. 3000 EURO für einen "Blumenkühlschrank".
    Kauft euch Blumenkübel, ist günstiger und macht sogar mehr Spaß!!!

  7. So was ähnliches hab ich mir auch gebaut, aber nicht so "steril" und natürlich mit Holz als Schrank.

  8. Innovativen müssen der Zeit voraus sein und erscheinen in der Momentaufnahme zwangsläufig "unrealistisch"! Betrachtet man den " Cube" unter dem Gesichtspunkt des schnell voranschreitenden Klimawandels, schwindenden Produktionsflächen in der Agrarwirtschaft, Erosionsschutz und Wohnraummobilität, ergibt sich der Sinn deutlicher. Jede technische Neuerung beinhaltet den Kostenpunkt "noch nicht für jedermann!" Das galt für die Erfindung des Autos auch-heute nutzt es jeder. Innovationen beinhalten Brücken zu bauen für neue Erfahrensbereiche. Denn ehrlich, wie oft sind einem die Kräuter mangels Wasser vertrocknet, die Schnecken waren schneller oder die Pflanzen mangels Nährstoffen eingegangen. Nicht jeder verfügt über Garten oder Balkon. Wir leben in einer Zeit der Veränderungen, kritische Auseinandersetzung und eine offene Denkhaltung eröffnen Wege.

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